Willkommen in der Pilgerkirche Untergneus

Dem Wanderer bietet sich von den Anhöhen rund um die Hügellandgemeinde Gneus ein herrlicher Blick auf das in idyllische Landschaft eingebettete Ober-und Untergneus. Im Zentrum des unteren Ortsteils steht die Kirche.

 Die Kirchgemeinde gehört als  Filialkirche zu Tröbnitz. Das ist historisch bedingt, da früher die Herren von Tröbnitz in Untergneus Güter besaßen. So ist auch baulich das Gneuser Gotteshaus dem in Tröbnitz sehr ähnlich. Es wurde 1820  als Saalkirche errichtet. Der im Westen als großer Dachreiter aufgesetzte, verschieferte Turm ist unten vier- oben achteckig mit Schweifkuppel und Laterne. Einen Vorgängerbau  hatte man anno 1679 wegen Baufälligkeit abtragen müssen.

 

Herzliche Einladung zur Einkehr

Über dem Haupteingang im Westen ist neben der Jahreszahl 1821 die Inschrift angebracht: „Wenn du zum Hause Gottes gehst, bewahre deinen Fuß und  komme, daß du hörest.“ An der Südseite führt eine zweite Eingangstür in die Kirche. In ihrem Schlussstein sind die Worte eingehauen: „Herr, wie lieblich sind deine Wohnungen“. Den Innenraum gliedern die dreiseitige und an den Längsseiten zweigeschossige Empore, Die Voutendecke mit Stuckrahmung und der Kanzelaltar. Er wird von hohen Korinthische Säulen geschmückt und  von einem Strahlenkranz bekrönt. Den Taufstein in Kelchform aus Terrakotta stifteten 1886 die Erben des Pfarrers Oertel, auch das eine Parallele zur Kirche Tröbnitz. Bildnisse von Luther und Melanchthon, an der Orgelempore erinnern an die Reformation.

In der Kirche von Untergneus befindet sich die älteste Orgel  im Gebiet des ehemaligen Landkreises Stadtroda. Sie wurde 1737  von Justinus Ehrenfried Gerhard (um 1710 bis 1786)  aus Lindig , ein Schüler des sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann, gebaut. Das belegt eine Inschrift auf dem Holz des Balges, die bei der Restaurierung des Instruments entdeckt wurde. Durch den Einsatz des „ Vereins zur Wahrung und Rettung kirchlicher Kunst und Kultur im Umkreis Stadtroda“  konnte die wertvolle Barockorgel gerettet werden. Mit einem Festkonzert wurde im Dezember 1997 die Weihe der wieder hergestellten Gerhard-Orgel gefeiert werden. 

Eine Besonderheit findet sich neben dem Eingangstor zum Kirchengelände. Hier steht ein Sandsteinkreuz,  in dem die Jahreszahl 1589 und die Darstellung eines Beiles,  Symbol mittelalterlichen Blutgerichts, eingeritzt sind.  Einer Sage nach soll hier ein Hirte erschlagen worden sein, der die Grenzen der bäuerlichen Landbesitzungen missachtete. Das Denkmal stand ursprünglich zehn Meter weiter nordwestlich, nahe des Feuerwehrhauses.

 

Text: Carola Frindert